Frühaufsteher, Langschläfer oder irgendwas dazwischen – wer liegt hier richtig?

Die einen laufen frühmorgens zur Hochform auf, andere werden erst abends so richtig aktiv und machen gern mal die Nacht zum Tag. Populärwissenschaftlich spricht man von Lerchen und Eulen – zwei schräge Vögel bilden die Enden einer breit gefächerten Skala. Die meisten Menschen liegen freilich irgendwo dazwischen. Wer seinen Chronotyp kennt, kann seinen Alltag entsprechend optimieren und damit auch seine Leistungsfähigkeit steigern.

 

Entscheidend für deinen persönlichen Schlaftyp sind zu etwa 50 Prozent genetische Voraussetzungen. Sie steuern den Biorhythmus – und damit die individuellen Leistungsphasen. Zu den Frühaufstehern zählen die Lerchen, Eulen gelten als notorische Nachtvögel. Im Lauf des Lebensalters kann sich die innere Uhr allerdings ändern: Kinder und ältere Menschen wachen meistens früh auf, Teenager kennt man eher als Morgenmuffel.

 

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Was der Volksmund seit jeher kundtut, klingt schon irgendwie spießig. Aber eine Studie der UK Biobank zeigt, dass Frühaufsteher tatsächlich gesünder leben. Nachtmenschen erleiden doppelt so viele psychologische Probleme, das Diabetes-Risiko steigt um 30 Prozent, Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen folgen mit rund 23 Prozent.

Die Autoren der Studie führen dies unter anderem darauf zurück, dass wir in den Abendstunden gute Vorsätze leichter fallenlassen. Darunter fällt der Konsum von Knabbereien, Süßigkeiten, Tabak und Alkohol – zum Beispiel vor dem Fernseher.

Nachteulen, die ihren Schlafrhythmus an die Anforderungen an die frühen Anfangszeiten von Arbeit oder Schule anpassen müssen, fällt die Umstellung freilich schwer. Aber auch die hartnäckigsten Gewohnheiten lassen sich mit einfachen Mitteln austricksen:

  • Tagsüber viel ins Freie gehen – das Tageslicht hemmt die Melatoninbildung und verhindert die Verschiebung von Aktivitäten in den späten Abend
     
  • Abends rechtzeitig Fernseher, Computer oder Handy ausschalten
     
  • Kein Konsum von Nikotin, alkohol- oder koffeinhaltigen Getränken in den Abendstunden
     
  • Die Beleuchtung dimmen, eine gemütliche Atmosphäre schaffen, den Alltagsstress ad acta legen
     
  • Eine Uhrzeit fürs tägliche Zubettgehen festlegen – notfalls Wecker oder Timer stellen

 

Neues aus dem Tierreich

Auch der US-amerikanische Psychologe und Schlafforscher Michael Breus hat den tierischen Vergleich bemüht. Ihm reichten Lerchen und Eulen als Erklärungsmodell nicht aus – er bringt es auf vier weitere Schlaftypen, denen er auch gleich psychologische Eigenschaften zuordnet. Findest du dich wieder?

 

Löwe

Der Wüstenkönig ist schon am frühen Morgen auf den Beinen und startet aktiv in den Tag. Dafür ermüdet er nachmittags und geht abends zeitig zu Bett. Der Frühaufsteher gilt als ehrgeizig, gewissenhaft, zielstrebig und analytisch in seinem Vorgehen.

 

Wolf

Er wälzt sich erst am späten Vormittag aus dem Bett, lässt es gemütlich angehen und kommt am frühen Abend auf Touren. Man sagt ihm Kreativität, Risikofreude und Impulsivität nach.

 

Bär

Wenn morgens der Wecker klingelt, drückt er lieber erst mal die Snooze-Taste und dreht sich für ein paar Minuten noch mal um. Seine produktivste Phase fällt in die Mittagszeit. Bären sind nicht gerade konfliktfreudig, aber loyal, extrovertiert und launige Gesellen.

 

Delfin

Er ist der nervöse Typ, der nachts häufiger aufwacht. Am frühen Abend dreht er noch mal richtig auf, bevor er gegen Mitternacht schlafen geht. Breus beschreibt ihn als intelligenten, aber ängstlichen und introvertierten Perfektionisten.

 

Die schlafende Mehrheit

Zu welchem Schlaftypus auch immer du neigst: Versuche deine innere Uhr ernst zu nehmen und möglichst danach zu leben. Aber bedenke auch, dass nur 40 % der Menschen echte „Lerchen“ oder „Eulen“ sind. Die Mehrheit liegt also irgendwo dazwischen. Wenn du dich permanent müde fühlst, muss es nicht unbedingt an deinem Biorhythmus liegen. Es kann auch ein Hinweis auf eine pathologisch bedingte Schlafstörung sein!

 

Weitere Quellen und Informationen:

https://www.geo.de/wissen/gesundheit/19006-rtkl-endlich-verstehen-nachteule-oder-fruehaufsteher-wer-lebt-gesuender#:~:text=Die%20waren%20im%20Rahmen%20der,nur%20gesünder%20–%20sondern%20auch%20länger.

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/07420528.2018.1454458

https://www.lunow.de/newsarchiv/item/eule-oder-lerche-schlaftypen-und-die-folgen

https://www.helsana.ch/de/blog/koerper/koerperwissen/schlaftypen.html